LeseZeit: „Lincoln im Bardo“

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Ausgezeichnet mit dem Man Booker Prize 2017

Um die wahre Begebenheit des frühen Todes von Willie, dem Sohn Abraham Lincolns, spinnt Saunders eine irrwitzige Geschichte, die schräger nicht sein könnte.

Lincolns Sohn ist tot. Zuviel Pony Reiten im Regen, Fieber, in seinem Zimmer einsam gestorben, während die Eltern ein Stockwerk darunter einen Empfang gaben.

Nun sitzt er als Geist nach der Beisetzung ratlos in der Familiengruft fest, wo er von den anderen Geistern des Friedhofs freundlich begrüßt wird. Er kann nicht verstehen, dass sein völlig verzweifelter Vater, der ihn seiner exponierten Stellung wegen nachts heimlich besuchen kommt, um ohne Präsidententross einsam um ihn zu trauern, ihn nicht wahrnimmt. Und das obwohl er doch direkt vor dem geliebten Vater steht und weinend darum fleht, mit nach Hause kommen zu dürfen, während der Vater nur dieses leblose Bündel aus der Kiste weinend an sich drückt.

Diese innige Liebe der beiden weckt das Interesse der anderen vielen Friedhofsgeister aller Epochen und gesellschaftlichen Stände, die nun alle anstehen, um zu erfahren, wie Willie es schaffte, einen Lebenden auch hier noch so an sich zu fesseln.

Bücher Beitrag

Während sich diese Geschichte entspinnt, erfährt man durch viele zeitgenössische und oft widersprüchliche, vielmals selbstherrliche Zitate ebenso viel über einen am Boden zerstörten Mann namens Lincoln und seine zermürbenden Selbstzweifel, als Präsident genau so zu versagen wie als Vater. War er es doch, der den fürchterlichen Bürgerkrieg zu verantworten hatte.

Die Geschichte ist herzzerreißend traurig, sagenhaft komisch und ein neckischer Hinweis auf die Unglaubwürdigkeit so mancher Geschichtsschreibung. Die sprachliche Reichhaltigkeit, in der die Geister miteinander ihre Gedanken austauschen, sprengt jeden bislang bekannten Rahmen, und die Ideen drumherum sind einfach aberwitzig.

Ein sehr spezielles Buch und in Anspruch und Schreibweise ganz gewiss keine leichte Urlaubslektüre für zwischendurch. Aber möglicherweise eine Stütze für jeden Trauernden und ein Muss für jeden Freund außergewöhnlicher Literatur.

„Wenn ich nur ein großartiges Buch wählen dürfte, dann wäre es Lincoln im Bardo. Ein Meisterwerk.“

Zadie Smith, NY Times Book Review

Lincoln im Bardo

Während des amerikanischen Bürgerkriegs stirbt Präsident Lincolns geliebter Sohn Willie mit elf Jahren. Als der trauernde Vater nachts allein das Grabmal aufsucht, um seinen Sohn noch einmal in den Armen zu halten, werden die Geister der Toten auf dem Friedhof wach, aber auch Stimmen aus der Geschichte und der Literatur, reale wie erfundene, mischen sich ein.

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